Von der Jungfernsteuer zu Singlereise-Agenturen: Single-Dasein im Wandel der Zeiten

Wer heute Single ist, der hat es in der Gesellschaft meist nicht einfach: der Druck, den Partner für ein glückliches Leben zu finden, ist groß. Doch werden Singles heute weitestgehend akzeptiert, denn das Heiratsalter steigt und viele Menschen leben allein. Dies war nicht immer so. Was haben ein Schamane aus Nordasien, ein Wandermönch aus dem ehemaligen Kaiserreich China und ein katholischer Priester gemeinsam? Sie sind alle Singles. Ihre sozialen Rollen innerhalb verschiedener Kulturen haben es verpflichtend vorgeschrieben. Doch heutzutage gibt es wenige soziale Rollen, die solch strengen Regeln unterworfen sind. Trotzdem haben es Singles in unserer Gesellschaft nicht leicht: der Druck, zu heiraten und Kinder zu kriegen, wächst mit zunehmendem Alter. Besonders Single-Frauen sind diesem Stigma unterworfen: sie werden von einigen noch stets kritisch beäugt, wenn sie allein leben oder gar vom Kinderwunsch Abstand nehmen.

Jungfernsteuer im 18. Jahrhundert

Die traditionellen Rollenklischees, die vor hunderten von Jahren aufgebaut wurden, sitzen noch immer tief in den Köpfen: der Mann ist das Oberhaupt der Familie und der Ernährer. Er ist nicht auf eine Frau angewiesen, um glücklich zu sein. Die Frau hingegen ist vom Mann abhängig und kann sich nicht allein versorgen. Dies war bereits im 18. Jahrhundert die gängige Ansichtsweise. Die Frauen waren ohne einen Mann nutzlos und wurden von der Gesellschaft verachtet, wenn sie nicht möglichst früh den Bund der Ehe geschlossen haben. Für die Auswahl des Ehemannes war der Vater der Braut zuständig, von dem die Unverheiratete abhängig war. Durch die Heirat wechselte sie in ein neues Abhängigkeitsverhältnis mit ihrem Ehemann. Unverheiratete Männer wurden zwar kritisch beäugt, ihnen drohte aber keine besondere Steuer wie den Frauen: in Berlin wurde Anfang des 18. Jahrhunderts eine Jungfernsteuer erhoben. Unverheiratete Frauen zwischen 20 und 40 mussten monatlich 2 Groschen entrichten. Dies sollte der Nachwuchsförderung dienen.

Langsame Emanzipation im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert wurde das Single-Dasein zunehmend stigmatisiert. Negative Bezeichnungen wie „alte Jungfer“ und „Hagestolz“ zeigen, dass zwischen männlichen und weiblichen Singles unterschieden wurde. Frauen wurde unterstellt, den Status als Alleinstehende nicht freiwillig gewählt zu haben und wurden dafür bemitleidet. Männer hingegen wurden grundsätzlich als freiwillige Singles betrachtet und von der Gesellschaft eher beneidet als gescholten. Dennoch sah die Gesellschaft das traditionelle Modell der Ehe durch die hohe Zahl an Junggesellen gefährdet und setzte sie unter Druck, den Bund der Ehe zu schließen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte jedoch langsam die finanzielle Eigenständigkeit einiger Frauen ein. Sie fanden den Mut, neue Wege zu gehen, so dass sich auch ihr Umfeld auf sie einstellen musste. Zu Beginn des 20.Jahrhunderts entstanden selbst die ersten Reiseunternehmen, die es alleinstehenden Frauen ermöglichte, gemeinsam und ohne männliche Begleitung zu verreisen.

Ein geebneter Weg für die Singles des 21. Jahrhunderts

Auch im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde das Single-Dasein stetig weiter akzeptiert. Frauen nahmen spielend Charaktereigenschaften an, die zuvor männlich konnotiert waren. Plötzlich gab es eigenständige, ehrgeizige, durchsetzungsfähige Single-Frauen in der Mitte der Gesellschaft. Diese ebneten den Weg für die Singles der heutigen Zeit, denn das 21. Jahrhundert hat sich auf Singles eingestellt. Durch das höhere Heiratsalter, dass durch lange Ausbildungszeiten hervorgerufen wird, ist es nicht unnormal, in einem bestimmten Alter noch keinen Ehepartner gefunden zu haben. Die Gesellschaft hat in Zeiten einer hohen Scheidungsquote akzeptiert, dass Singles hohe Ansprüche an einen potentiellen Partner stellen. Eine Scheidung ist ebenfalls kein Grund mehr für einen Ausstoß aus der Gesellschaft. Der Markt für Ein-Zimmer-Wohnungen, Single-Packungen im Supermarkt und Singlereisen boomt. Es scheint, als sei das Single-Dasein als eine von vielen Lebensformen endlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Steffen Butzko, adamare Singlereisen

Steffen Butzko ist Geschäftsführer der best mood events GmbH & Co.KG und betreibt das erfolgreiche Reiseportal adamare-singlereisen.de. Steffen ist Reiseleiter mit Herz und bietet echte, ehrliche und niveauvolle Singlereisen in die schönsten Gebiete der Welt.

Als Single- und Singlereisen-Experte bloggt Steffen regelmäßig rund um beide Themenbereiche, sowohl auf dem Singlereisen Blog als auch auf dem adamare Blog.

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