Singleblog

Die Sehnsucht der Singles

Manchmal sind wir Menschen wie trottelige, dicke, träge Motten. Wir fliegen immer zu dem Licht, das gerade angeknipst wird – egal, welches. Warum? Naja, es leuchtet halt so schön!

In einer Beziehung

Sind wir in einer Beziehung sehnen wir uns nach unbändiger Leidenschaft, Gänsehaut und Kopfchaos. Wir denken mit Sehnsucht an Zeiten, in denen man nicht mal an der Käsetheke im Supermarkt dieses debile Grinsen aus dem Gesicht kriegt. In denen man das Gefühl hat, man müsste in den nächsten Wald fahren und so lange sein Glück herausbrüllen bis alle Bäume kahl sind, weil sich einfach alles um uns herum doppelt so intensiv, doppelt so bunt und doppelt so schön anfühlt. Aus medizinischer Sicht besorgniserregende Symptome wie Unkonzentriertheit, Schlaflosigkeit oder ein flaues Gefühl im Magen scheinen uns das einzig Erstrebenswerte zu sein.

als Single

Sind wir aber Single, ungebunden und bereit für Nervenkitzel, Exzess und Passion, beginnt der Duft der Freiheit mitunter etwas zu müffeln. Da ist dieser latente Wunsch nach einem DVD-Abend in Löffelchenstellung, einer besorgten SMS am Sonntagmorgen. Die Hoffnung, es würde mal Licht brennen, wenn man nachts nach Hause kommt und wieder nur Idioten kennengelernt hat.  Um also das Fazit gleich vorwegzunehmen: Man kann es uns einfach verdammt schwer recht machen. Punkt. Es bleibt nun mal alles Einstellungssache: Das Glas ist halbleer oder halbvoll – sei es nun das Rotweinglas beim gemeinsamen Candlelight-Dinner mit dem netten Pärchen von nebenan oder die Bierflasche am Tresen des Kaffee Burger kurz vor dem Absturz.

Die Trennung und der Schmerz

Ich bin gerade bei dem Teil mit der Bierflasche. Seit einem halben Jahr bin ich Singel und noch mit einem Bein in der Rekonvaleszenzphase. Die Zeit davor habe ich damit verbracht, wie paralysiert um eine 300 Watt-Birne zu flattern, bis ich mich nach vier Jahren angekokelt rücklings am Boden wiederfand. „Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende”, sagt meine Freundin. „Andere Mütter haben auch schöne Söhne”, sagt mein Kumpel. „Die Zeit heilt alle Wunden”, sagt meine Mama. Wir sind Helden sagen: „Die Zeit heilt alle Wunder, schon seit ewigen Jahren. Nur noch Narben, da, wo Wunder waren …” Eine Wunderheilung der unangenehmeren Art, die nämlich darin besteht, dass sich ein vermeintliches Liebes-Mirakel im Nachhinein schlicht als Irrtum, als Glückseligkeit mit begrenzter Haltbarkeit oder, wie in meinem Fall, als nicht endende Achterbahnfahrt entpuppt. Nach der paradoxen Wunderheilung gilt es dann erstmal, ausgiebig die eigenen Wunden zu lecken, denn der Weg zum unbeschwerten Singledasein will – je nach Grad des vorangegangenen Liebeskummers – erstmal bewältigt werden. Was das schon wieder an Zeit kostet!

Nach der Trennung fühlte ich mich wie heißes Blei, das in kaltes Wasser gegossen wird. Zisch. Aus. Karnickelstarre für Wochen. Nächte auf der Gästecouch meiner Schwester. Zigaretten, Johanniskrautdragees, Bier, Zigaretten, salzige Sturzbäche, tröstende Worte … Dann ein erstes Aufbäumen – Trinken, Tanzen, Lachen, thematisch ausgewählte DVDs (sehr zu empfehlen: „Kill Bill” 1 & 2 oder die Schlussszene von „Deathproof”) und immer wieder therapeutische Gespräche („Du wolltest ein Nest bauen und der Typ war noch nicht mal selber geschlüpft, der Idiot!”). Irgendwann wird dann das Alleinsein wieder zur Routine. Man vergisst, auf ein Wunder zu warten. Das Wunder ist geheilt. Man findet sich ab und kommt, abgesehen von regelmäßigen nostalgisch-sentimentalen Sehnsuchtsanfällen, zur Ruhe.

getrennte Leben danach

Es gibt nicht mehr ‚Wir’ und ‚Ich’, sondern nur noch letzteres. Das hat auch was für sich. Letztendlich hat das etwas überstrapazierte und durch die eine oder andere Hochzeitszeitung geprügelte Oscar– Wilde–Zitat – die Ehe sei der Versuch, zu zweit mit den Problemen fertig zu werden, die man alleine nie gehabt hätte – doch einen wahren Kern. Und so gibt es keine bessere Zeit als die posttraumatische um seine Wohnung aus- und umzuräumen, neue Klamotten zu kaufen und die Leute anzurufen, die man schon seit Ewigkeiten endlich mal wieder anrufen wollte. Ist das alles erledigt, fängt man an, sich bewusst als Single in Berlin zu fühlen – ein Bewusstsein, das schöne wie unschöne Seiten hat, je nach Stimmungslage und Erwartungshaltung. Abenteuer oder Löffelchenstellung? Auf der Suche oder nicht – und, wenn ja: Nach was, bitte schön?

Der Großstädter an sich ist eine beneidenswerte Spezies, denn er hat das Privileg, aus einem schier unermesslichen Repertoire an Angeboten zu wählen – was die Masse anderer Singels wie auch die Art der künftigen Bindung betrifft (One-Night-Stand, Affäre, Beziehung). Man stelle sich mal das Singledasein in einem 200-Seelen-Dorf vor, da sehen die Auswahlmöglichkeiten schon ganz anders aus: Rainer oder Björn? Bingo oder Dart? Kalbsbrie oder Kopfsalat? Sex oder Tür zu? Wer Gefahr läuft, seiner neuen Bekanntschaft künftig dreimal am Tag zu begegnen, weil es nur einen Supermarkt, ein Kino und einen Geldautomaten gibt, der überlegt sich auch dreimal, ob er sich auf ein amouröses Abenteuer einlässt – schließlich könnte einem der Ausrutscher vom Samstag schon am Montag an der Theke des einzigen Bäckers um den Hals fallen. Die uns Großstädtern vergönnten emotionalen Bequemlichkeiten wie das grundsätzliche Ignorieren von Anrufen „Unbekannter Teilnehmer” oder eine freundlich-distanzierte SMS zum Abschied, lassen etwas mehr Handlungsspielraum zu. Wir Berliner oder Hamburger oder Frankfurter haben die Qual der Wahl und wer die hat, wird wählerisch. Und das mit Recht. Denn schließlich ging es doch um dieses debile Grinsen, um die Schmetterlinge und die wohligen Schauer. Und das passiert nun mal nicht so oft. Genau genommen eher ziemlich selten.

Um so häufiger findet sich der Single in trauter Dreisamkeit wieder: Es gibt Paare, die wirken wie ein in Granit gegossenenes, wandelndes Yin-Yang-Zeichen – untrennbar symbiotisch miteinander verbunden in einer nach außen versiegelten Einheit. In solchen Beziehungen verhaftete Freundinnen sagen gern Sätze wie „Wir bleiben heute zu Hause” und man fragt sich immer wieder: Ist das jetzt Pluralis majestatis? Hoheit bleiben zu Hause? Bis man begreift, dass die einzige Möglichkeit, die einstige Dancing Queen anzutreffen, in einem Abend zu dritt besteht – bei dreierlei Wein, dreierlei DVDs und dreierlei Chips mit Pupsi. Das ist ungefähr so frustrierend wie ein Nachmittag im Volkspark, der den mühsam angeeigneten Glauben an die Freuden der Freiheit schnell ins Wanken bringt. Zwischen all den fröhlich glucksenden, Bionade trinkenden Vorzeigekleinfamilien, dem in winzigen Puma-Turnschuhen hinter Papas Fußball her rennenden Nachwuchs und den Arm in Arm in die Frühlingssonne blinzelnden Pärchen kann man schon mal spontan in die nächste Grasnarbe beißen. Auch ein Besuch bei Ikea, normalerweise ein guter Freizeitlückenfüller, ist die reinste Selbstkasteiung. Die geballte Zweisamkeit, oftmals mit minderjähriger Unterstützung, tummelt sich hier wie im Ameisenhaufen: Schwangere tauchen in Plüschtierwühltische ein, junge Paare streifen mit diesem „Unsere erste Wohnung!”-Strahlen durch die Gänge und lassen höchstens die Hände voneinander, um mit Entzücken eine herzförmige Nachttischlampe in die Höhe zu halten.

Großstadtsingles sind anders

Meidet der Großstadt-Single derart penetrante Konfrontationen, und verfügt er über Fellow-Einzelgänger, so steht einem erfüllten Singledasein nichts im Weg. Es ist Frühling, die paarungswilligen Großstädter kommen aus ihren ofenbeheizten Löchern gekrochen, halten die Nase in den Wind und nehmen Witterung auf. Was gibt es Schöneres als mit den Freundinnen unbeschwert gackernd im Prater zu sitzen, nach dem zweiten Bier den Blick schweifen zu lassen und sich im Stillen zu freuen, dass es in Berlin eben mehr gibt als Rainer und Björn, Bingo und Dart. Die tatsächliche Netto-Angebotspalette – das heißt das, was übrig bleibt, wenn man Vergebene, Homosexuelle, aus anderen Gründen schlicht nicht Interessierte, sowie Kackbratzen jeglicher Art abgezogen hat – muss man kurz außer Acht lassen und sich angesichts der Bruttoauswahl ein paar Illusionen bewahren. Die verabschieden sich im ersten Club unter Umständen von ganz allein, wenn aus unverfänglich-folgenlosen Blicken die mehr oder minder erquicklichen Smalltalks werden. Es gibt Nächte, da fahre ich nach einer gnadenlos misslungenen Clubtour frustriert nach Hause, sitze im Gedenken an den tiefgründigsten Spruch des Abends – „Herrlicher Hintern!” – in der U-Bahn und bemerke viel zu spät, dass ich seit Minuten ein Pärchen angaffe, dass sich im Suff verträumt aneinander schmiegt. In solchen Momenten ist die Bierflasche eindeutig halbvoll und das Bett zu Hause doppelt kalt und doppelt leer. Aber, hey, da müssen wir durch.

Dafür bleibt uns immer die Hoffnung auf diesen zukünftigen emotionalen Overkill, den pubertär-bombastischen Glückstaumel, um den uns die Freundin beneidet, die immer klagt: „Er küsst mich nur noch, als wär ich seine kleine Schwester.” Über solche Probleme werden wir lauthals lachen – wenn wir zwischen all dem Geknutsche mal Luft dafür haben. Und wir werden uns über unser neues Wunder freuen. Vielleicht erweist es sich ja als heilungsresistent und bleibt uns erhalten. Auch debile Motten landen irgendwann einen Glückstreffer. Schon aus statistischen Gründen.
Und bis dahin flattern wir einfach weiter und lachen uns schlapp, wenn wir uns mal die Flügel verbrennen.

Denn eins ist klar: Langweilig wird’s nie.

Steffen Butzko - Singlereisen Experte von adamare

Steffen Butzko ist Geschäftsführer der best mood events GmbH & Co.KG und betreibt das erfolgreiche Reiseportal adamare-singlereisen.de. Steffen ist Reiseleiter mit Herz und bietet echte, ehrliche und niveauvolle Singlereisen in die schönsten Gebiete der Welt.

Als Single- und Singlereisen-Experte bloggt Steffen regelmäßig rund um beide Themenbereiche, sowohl auf dem Singlereisen Blog als auch auf dem adamare Blog.


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