A. Schnitzer, 30 Jahre alt, Lehrerin, reiste durch Mexiko und Australien
Warum kamen Sie überhaupt auf die Idee alleine zu verreisen?
Ich wollte das mal ausprobieren. Das ist eine komplett andere Art zu verreisen, die meinem Entdeckergeist sehr entgegenkommt.
Hatten Sie vor der Abreise Bedenken oder Ängste?
Ich hatte ein wenig Angst alleine zu bleiben, weil ich kein Spanisch spreche bzw. nur einige Brocken, die zur Zimmerreservierung reichen. Aber Eindrücke differenziert wiederzugeben war für mich unmöglich.
Muss man sich anders vorbereiten als auf eine Tour mit Begleitung?
Ja, ich habe mir beispielsweise ganz andere Reiseführer gekauft, geschrieben für Individualreisende. Außerdem habe ich viel mehr über Land und Leute gelesen, denn ich wollte mich so gut wie möglich vor Ort auskennen.
Welche Vorteile hat eine Solo-Tour?
Man ist offener, möchte die Kultur begreifen und ist gefordert in Kontakt mit anderen Menschen zu treten, denn über jedes Gespräch freut man sich als Alleinreisender. Dadurch lernt man unglaublich viele Menschen kennen, auch Einheimische und sammelt viele Eindrücke.
Gibt es auch Nachteile?
Ich hatte Angst, mein Rückflugticket zu verlieren. Die Vorstellung in einer fremden Sprache am Flughafen erklären zu müssen, warum ich kein Ticket mehr habe, war schrecklich für mich. Ich bewahrte es daher die ganze Zeit unter der Sohle meiner Turnschuhe auf. Ein weiterer Nachteil ist der fehlende Austauschpartner. Ich brauchte ein Gegenüber und habe daher Tagebuch geschrieben, in meiner Sprache. Das hat geholfen.
Mit welchen Schwierigkeiten muss man unterwegs rechnen?
Ich fühlte mich manchmal in einigen Situationen etwas eingeschränkt. Beispielsweise hätte ich gerne einen Nationalpark in Australien besucht, aber der war sehr weitläufig und da kamen dann die Zweifel hoch Was, wenn etwas passiert, giftige Schlangen oder Spinnen dich beißen?’.
Sind Sie mal in eine brenzlige Situation geraten?
Nicht wirklich. Manchmal habe ich allerdings im Nachhinein gedacht, dass Einiges auch nach hinten hätte losgehen können. Etwa als mich ein Einheimischer zu einem geheimen Trommelplatz brachte, quer durch den Urwald auf einem Trampelpfad.
Erinnern Sie sich an einen besonders schönen Moment?
Als ich das erste Mal in meinem Leben richtigen Regenwald gesehen habe, war ich fasziniert von den verschiedenen Grüntönen. Das war wirklich überwältigend.
Reist bei Ihnen ein Talisman mit?
Nein.
Würden Sie noch mal alleine aufbrechen?
Ich möchte immer mal wieder alleine verreisen, nicht immer, aber auf dieser anderen Art zu verreisen lernt man ganz viel. Nächstes Jahr reise ich übrigens wieder nach Mexiko, natürlich alleine.
K. Senjor, Redakteurin, reiste alleine nach Südkreta
Warum kamen Sie überhaupt auf die Idee alleine zu verreisen?
Ich befand mich in einer nicht gerade einfachen Lebenssituation¬ zwischen zwei Männern - und musste den Kopf frei kriegen, mich sortieren und einfach mal alleine sein. Außerdem wollte ich immer mal wissen, wie es sich anfühlt, nur mit sich selbst zu verreisen.
Hatten Sie vor der Abreise Bedenken oder Ängste?
Nein, im Gegenteil, ich habe mich total auf die Tour gefreut. Meine einzige Frage war, ob ich es wohl in einem Touristenort schaffen würde, allein zu bleiben. Denn ich hatte schlichtweg keine Lust auf Reden.
Und, hat das Alleinebleiben geklappt?
Ja, obwohl es gar nicht so einfach war. Auf Alleinessen hatte ich keine Lust. Ich bin viel unter Menschen, in die Tavernen, genoss den Rummel um mich herum, wollte aber nicht angesprochen werden. Also habe ich mich am Tisch immer sofort über mein Buch gebeugt.
Muss man sich anders vorbereiten als auf eine Tour mit Begleitung?
Nein, überhaupt nicht. Eigentlich ist es viel einfacher, weil man ja keine Rücksicht auf irgendjemanden als sich selbst nehmen muss. Man plant nur das, was man selbst möchte. Im Prinzip ist es eine total egoistische Reise.
Welche Vorteile hat eine Solo-Tour?
Man kann seiner Lust und Laune folgen, allerdings ist man auch ständig in Hab-Acht-Stellung, weil man auf sich selbst gestellt ist. Aber gerade deshalb hat man wachere Sinne, nimmt besondere Momente viel intensiver wahr. Kleine Beobachtungen bekommen eine viel größere Bedeutung, die kann man wunderbar genießen, weil einen keiner ablenkt.
Mit welchen Schwierigkeiten muss man unterwegs rechnen?
In den Pensionen waren die schönen Zimmer mit Dachterrasse für mich nahezu unerreichbar. Als Single landet man oft in den Besenkammern. Ich musste immer kämpfen, um ein besseres Zimmer zu bekommen.
Sind Sie mal in eine brenzlige Situation geraten?
Als ich nach einem Ausflug an den Strand zurück in die Pension wollte, hielt kein Bus auf der menschenleeren Landstraße an. Einzige Alternative war Trampen, was auch gut klappte. Zwei Jeeps hielten an. Bei einem stieg ich ein, ein junger Grieche mit fescher Sonnenbrille und Funkgerät, der wild raste und seinem Freund im anderen Jeep ständig anfunkte. Das war nicht so lustig.
Erinnern Sie sich an einen besonders schönen Moment?
Auf der Fähre nach Loutro schien die Sonne, ich saß an Deck, ein Glas Wein in der Hand, Musik im Ohr und freute mich einfach nur des Lebens. Einfach herrlich!
Reist bei Ihnen ein Talisman mit?
Nein.
Würden Sie noch mal alleine aufbrechen?
Ganz klar, auch wenn ich inzwischen verheiratet bin. Aber diesmal würde ich vielleicht starten, um eine andere Facette des Alleinreisens zu genießen: die offene, kommunikative. Wenn man solo unterwegs ist, hat man viel mehr Chancen, Leute kennenzulernen. Und auf Reisen trifft man die spannendsten Menschen.
A. Obermüller, 34 Jahre alt, Diplom-Geograph, erkundete mit dem Rucksack Island und die Westküste der USA
Warum kamen Sie überhaupt auf die Idee alleine zu verreisen?
Das hatte einen ganz praktischen Grund: Ich hatte niemanden gefunden, der spontan knapp fünf Wochen mit nach Island wollte.
Hatten Sie vor der Abreise Bedenken oder Ängste?
Nein, ich war einfach nur gespannt, wie die Reise werden wird. Schließlich ist Island ganz schön dünn besiedelt und nicht das typische Backpackerland. Insofern war ich voller Vorfreude.
Muss man sich anders vorbereiten als auf eine Tour mit Begleitung?
Ja, ich habe vorab viel organisiert, vor allem die ersten beiden Nächte wollte ich nicht allein mit Jugendherbergssuche verbringen und habe von Deutschland aus bereits zwei Übernachtungen gebucht.
Welche Vorteile hat eine Solo-Tour?
Gerade in Island habe ich gemerkt, dass ich mich viel mehr auf das Land einlassen konnte. Wenn man alleine unterwegs ist und kaum Menschen unterwegs trifft, lenkt einen niemand ab oder quatscht in schöne, bewegende Momente rein. Ich habe das Land sehr intensiv wahrgenommen und verstärkt den Kontakt zu Einheimischen gesucht.
Gibt es auch Nachteile?
So schön es auch in besonders beeindruckenden Momenten ist, ganz für sich allein die Situation genießen zu können, so furchtbar ist es zugleich, sie mit niemandem teilen zu dürfen. Das Schöne des gemeinsamen Verreisens ist ja auch oft das Treffen danach, um dann in Erinnerungen zu schwelgen: Weißt Du noch?’
Mit welchen Schwierigkeiten muss man unterwegs rechnen?
Organisatorisch klappte alles ganz hervorragend, das war in Island kein Problem. Aber manchmal war das Alleinesein doch ganz schön einsam. Mal fand ich es wunderbar, mal fühlte es sich sonderbar an.
Sind Sie mal in eine brenzlige Situation geraten?
Glücklicherweise nie.
Erinnern Sie sich an einen besonders schönen Moment?
Allerdings. Auf einer kleinen Wanderung kam ich vom Weg ab und orientierte mich an den Fußspuren im Lava. Der Pfad führte mich direkt zu einer kleinen, heißen Quelle, die nur über eine Leiter zu erreichen warn. Scheinbar ein Geheimtipp der Einheimischen, die ich per Zufall ganz für mich allein hatte.
Reist bei Ihnen ein Talisman mit?
Ich habe gerne mein Taufkettchen dabei, der Anhänger zeigt den heiligen Christophorus, den Schutzpatron der Reisenden.
Würden Sie noch mal alleine aufbrechen?
Eher nicht. Ich habe die Reisen zwar genossen, aber mir hat immer der Austausch gefehlt. Ich möchte mich unterwegs mitteilen können.
B. Gerlach, 32 Jahre, Redakteurin, war allein in Thailand, Indien, Mexiko und Spanien unterwegs
Warum kamen Sie überhaupt auf die Idee alleine zu verreisen?
Ich hatte zwischen zwei Jobs einen Monat lang frei und niemand hatte Urlaub, also packte ich meinen Rucksack und flog nach Thailand. Von Freunden wusste ich, dass es sich für eine allererste Solotour bestens eignet.
Hatten Sie vor der Abreise Bedenken oder Ängste?
Ja, schon. Ich war vorher noch nie in Asien und hatte keine Ahnung, was mich erwartet. Damals gab es zudem noch keine Handys und auch Internetcafés fand man nicht an jeder Ecke, ich befürchtete nicht Kontakt halten zu können. Ich wollte meiner Familie und meinem damaligen Freund mindestens einmal in der Woche ein Lebenszeichen senden.
Muss man sich anders vorbereiten als auf eine Tour mit Begleitung?
Ja, man ist schließlich auf sich allein gestellt und muss gut gerüstet sein. Das gilt insbesondere für die Reiseapotheke und das Geld. Ich achte darauf, ausreichend Notanker zu haben, um immer an Geld zu kommen. Ich nehme etwa Traveller Checks als Reserve mit, falls EC- und Kreditkarte nicht funktionieren sollten.
Welche Vorteile hat eine Solo-Tour?
Für mich ist es Freiheit pur. Ich kann die Tour so gestalten wie ich gerne möchte, kann an einem Ort bleiben, wenn er mir gefällt oder gleich wieder weiter reisen. Außerdem ist es unglaublich spannend, in den Hostels Menschen aus jeglicher Himmelsrichtung zu treffen. Das öffnet den Blick und macht tolerant.
Gibt es auch Nachteile?
Unterwegs krank zu sein ist unheimlich. Man fühlt sich sehr, sehr einsam und je nach Schwere der Krankheit bekommt man auch ein bisschen Angst. Es ist ja keiner da, der einen nachts ins Krankenhaus fahren könnte. Als Frau allein fühle ich mich manchmal etwas in meiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Allzu dunkle Gassen und abgelegene Winkel am Strand lasse ich lieber aus.
Mit welchen Schwierigkeiten muss man unterwegs rechnen?
Doof angemacht zu werden. Das passiert leider manchmal, aber meist bleibt es bei dämlichen Sprüchen. Und ein Luxusproblem: Einsamkeit zu wollen, aber keine zu bekommen. Gerade auf klassischen Backpackerrouten trifft man in den Hostels immer die gleichen Leute, das kann nach einer Weile ganz schön anstrengend sein.
Erinnern Sie sich an einen besonders schönen Moment?
Vor einem Tempel in Indien lungerten Bettler, darunter viele Kinder. Ein Mädchen bat mich, ein Foto von ihr zu machen. Als ich ihr das Bild auf dem Display meiner Kamera zeigt, war sie total begeistert, holte ihre Geschwister, Eltern, Verwandte. Von allen musste ich Fotos schießen. Am nächsten Tag hat mir die Mutter des Mädchens ungefragt Jasminblüten ins Haar geflochten, als Dankeschön. Das hat mich sehr bewegt.
Sind Sie mal in eine brenzlige Situation geraten?
Nein. Zum Glück!
Reist bei Ihnen ein Talisman mit?
Ein kleiner Elefant, den ich vor Urzeiten mal geschenkt bekommen habe. Mittlerweile fehlen ihm zwar schon die Ohren, aber trotzdem darf er immer wieder mit.
Würden Sie noch mal alleine aufbrechen?
Auf jeden Fall, Alleinereisen erweitert definitiv den Horizont - und macht süchtig nach mehr.
C. Sessler, 52 Jahre, Dokumentarin, bereiste mehrere Länder allein, darunter Afrika, Griechenland und Kanada.
Warum kamen Sie überhaupt auf die Idee alleine zu verreisen?
Ganz genau kann ich mich gar nicht mehr daran erinnern, aber das Rucksackreisen hat es mir angetan.
Hatten Sie vor der Abreise Bedenken oder Ängste?
Nein, gar nicht. Aber auch weil ich weiß, dass man am wenigsten allein ist, wenn man allein reist. Viele denken. dass man als Singlereisende womöglich 14 Tage mit niemandem spricht. Aber das ist überhaupt nicht so, man lernt ständig neue Leute kennen.
Muss man sich anders vorbereiten als auf eine Tour mit Begleitung?
Überhaupt nicht, denn es ist die einfachste Art zu verreisen.
Welche Vorteile hat eine Solo-Tour?
Alles findet so statt, wie ich es gerne haben möchte – ohne Kompromisse.
Gibt es auch Nachteile?
Nicht alle Länder taugen für eine Alleinreise. Ich war kürzlich in Kroatien unterwegs, dort ist alles auf Familienurlaub und Gruppenreise ausgerichtet. Das machte überhaupt keinen Spaß, auch Afrika ist recht schwierig allein zu erkunden. In Zentralanatolien bin ich mit einem Mann gereist, das war auch gut so.
Mit welchen Schwierigkeiten muss man unterwegs rechnen?
Manchmal wäre es schön jemanden zu haben, der auf meinen Rucksack aufpasst, wenn ich unterwegs auf die Toilette möchte oder sich am Ticketschalter anstellt, während ich etwas zu trinken besorge. Grundsätzlich sind organisatorische Dinge leichter zu zweit zu erledigen.
Sind Sie mal in eine brenzlige Situation geraten?
Einmal ja, da war ich an einem Unfall beteiligt. Ich wollte in Lusaka in Sambia einen Zebrastreifen überqueren, als ein Bus in uns raste. Alle um mich herum waren verletzt, eine Frau sogar tot, nur ich befand mich sicher auf der anderen Straßenseite. Ich habe keine Ahnung, wie ich dahin gekommen bin, Magie vielleicht, aber diesen Tag werde ich nie vergessen.
Reist bei Ihnen ein Talisman mit?
Vor der Sambiareise hatte ich mir ein Schmuckstück gekauft. Seit diesem Unfall habe ich es immer wieder mitgenommen.
Würden Sie noch mal alleine aufbrechen?
Immer. Morgen fahre ich mal wieder nach Griechenland.
D. Lehmann, 47 Jahre alt, Redakteur, erradelte Deutschland von Aachen bis Zittau.
Warum kamen Sie überhaupt auf die Idee alleine zu verreisen?
Das hatte ganz banale Gründe: Ich wollte weite Strecken radeln und mein Tempo fahren, da ist es nicht einfach, einen Partner zu finden. Und als Familienreise ist so eine Tour sowieso ungeeignet.
Hatten Sie vor der Abreise Bedenken oder Ängste?
Einige Bedenken gab es schon, z.B. über die Unwegbarkeiten unterwegs, wie wohl das Wetter werden würde und was passieren würde, wenn es kälter wird. Denn schließlich war ich Ende September unterwegs. Außerdem musste ich mein Gepäck stark reduzieren, alles musste in zwei Taschen packen, da überlegt man sich vorher ganz genau, was man anziehen will.
Muss man sich anders vorbereiten als auf eine Tour mit Begleitung?
Ich habe meine Route vorher genau geplant und auch die Übernachtungen vorher festgelegt, damit meine Familie Bescheid wusste, wo ich gerade bin.
Welche Vorteile hat eine Solo-Tour?
Es war wirklich verblüffend, wie unglaublich gesellig man unterwegs ist. Man kommt viel leichter mit anderen Menschen in Kontakt. Zudem ist man keinen Ideen unterlegen, sprich kann machen, was man will. Zudem war es eine wahnsinniges Gefühl, wirklich alleine zu sein. Teilweise war niemand vor oder hinter mir auf der Straße, das erwartet man vielleicht in Schottland oder in Australien in der Wüste, aber nicht unbedingt in Deutschland.
Gibt es auch Nachteile?
Dass man bei Problemen keine Hilfe erwarten kann. Mir ist einmal der gesamte Reifen aus dem Draht gerissen, so dass der Schlauch herauskam. Ich konnte ihn zwar grob flicken, musste aber knapp auf der Felge weiterfahren. Zu zweit wäre man vielleicht auf eine andere Lösung gekommen.
Mit welchen Schwierigkeiten muss man unterwegs rechnen?
Ich bin einmal von Jugendlichen doof angepöbelt worden, zu zweit wäre man vermutlich nicht in deren Fokus geraten.
Sind Sie mal in eine brenzlige Situation geraten?
Nein, die Pöbelei war auch nicht weiter dramatisch, spätestens als sie gesehen haben, dass ich doppelt so groß wie sie bin.
Erinnern Sie sichan ein besonders schönes Erlebnis oder eine schöne Begegnung?
Ich bin immer früh aufgebrochen und besonders schön war der Start in Jena. Es herrschte eine bestimmte Betriebsamkeit, aber für eine Stadt war es wiederum ungewöhnlich ruhig. Welch schöne Stimmung.
Reist bei Ihnen ein Talisman mit?
Nein.
Würden Sie noch mal alleine aufbrechen?
Sofort.
S. Bloß, 33 Jahre, tourte durch Finnland, Neuseeland und Indien.
Warum kamen Sie überhaupt auf die Idee alleine zu verreisen?
Ich wollte herausfinden, ob das Alleine-Reisen etwas für mich ist. Außerdem hatte ich mir ein Ziel ausgesucht, zu dem spontan niemand mitgekommen wäre. Generell ist es sowieso wichtig, mit wem man reist. Gibt es in dem Moment keine entsprechende Person, bedeutet das aber nicht automatisch, dass man zu Hause bleiben muss. Also fährt man alleine los.
Hatten Sie vor der Abreise Bedenken oder Ängste?
Ängste eigentlich nicht, eher eine leichte Nervosität, aber im positivem Sinne. Es ist ein schönes Gefühl, wenn es endlich losgeht und man nicht weiß, was einen wirklich vor Ort erwartet.
Muss man sich anders vorbereiten als auf eine Tour mit Begleitung?
Ich denke nicht. Man muss im Vorfeld an die gleichen Dinge denken: zum Beispiel impfen, Versicherungen, Geld. Und seinen Rucksack packt man ja letztendlich selbst, auch wenn man zu zweit fährt.
Welche Vorteile hat eine Solo-Tour?
Man muss auf Niemanden Rücksicht nehmen. Entscheidungen können innerhalb von Sekunden geändert werden, ohne dass man lange diskutieren muss. Außerdem geht man anders auf Menschen zu. Man ist irgendwie kontaktfreudiger.
Gibt es auch Nachteile?
Sicher gibt es auch Nachteile. Die Verantwortung liegt zum Beispiel immer bei einem selbst. Man hat niemanden, auf den man sich stützen kann. Wenn es einem mal schlecht geht, sind keine vertrauten Menschen um einen herum. Der größte Nachteil meiner Meinung nach ist aber, dass man seine Erlebnisse erst nach der Reise mit Menschen, die einem Nahe stehen, teilen kann. Und selbst dann können Gefühle und Emotionen nur bedingt von den Daheimgebliebenen nachvollzogen werden. Das kann man tatsächlich nur mit demjenigen teilen, mit dem man zusammen diese bestimmte Situation erlebt hat. Man ist mit seinen Emotionen also oft alleine.
Mit welchen Schwierigkeiten muss man unterwegs rechnen?
Mit keinen anderen, als wenn man zu zweit oder mit mehreren reist.
Sind Sie mal in eine brenzlige Situation geraten?
Bis jetzt zum Glück noch nicht.
Erinnern Sie sichan ein besonders schönes Erlebnis oder eine schöne Begegnung?
Eine besonders schöne Begegnung hatte ich mit einem Angler an einem Strand in Neuseeland. Die Sonne ging gerade auf. Er erzählte mir, dass er jeden Morgen zum Fischen hierher kommt, um für ein paar Stunden einfach die Ruhe zu genießen. Als ich mich später von ihm verabschiedete, wusste ich noch nicht einmal seinen Namen. Wir hatten kaum geredet, sondern einfach nur den Blick aufs Meer und unsere gegenseitige Gesellschaft in Stille genossen.
Reist bei Ihnen ein Talisman mit?
Auf meinen Reisen hatte ich immer eine Holzschildkröte in meiner Tasche. Sie ist leider kaputtgegangen – ihr Kopf ist abgebrochen. In würdiger Vertretung habe ich nun immer ein kleines Glückspüppchen mit dabei.
Würden Sie noch mal alleine aufbrechen?
Jederzeit.
Tipps fürs Alleinreisen:
Ziel richtig auswählen: Nicht jedes Land eignet sich uneingeschränkt zum Alleinreisen. Relativ einfach findet man Anschluss auf Touren durch beliebte Backpackerländer wie Thailand, Vietnam, Australien und Neuseeland sowie in angesagten Großstädten Europas wie London und Barcelona; etwas schwieriger bewegt man sich beispielsweise in Indien und muslimischen Ländern.
Zimmerreservierung: Vor allem bei längeren Flügen ist es ratsam für die erste Nacht ein Zimmer zu reservieren. So hat man bei Ankunft gleich ein Ziel vor Augen. Das hat mehrere Vorteile: Zum einen können Sie sich schnell eine Pause vom Flug gönnen, zudem wirken Sie nicht so verloren bei der Ankunft und sind nicht als "Neuling" zu erkennen.
Nummern sichern: Wichtige Nummern, etwa zum Sperren von Kreditkarten sowie Pass- und Flugticketkopie, separat vom Gepäck aufbewahren, am besten doppelt (z.B. eine Ausführung im Tagesrucksack, eine andere in der Hosentasche).
Wachsam sein: In Mehrbettzimmern die Wertsachen nie aus den Augen lassen, am besten mit in das Bett nehmen, am Körper tragen (oft sind andere Mitreisende leider nicht immer die ehrlichsten Zeitgenossen).
Vorteilhafte Kleidung: Als Frau nicht allzu freizügig kleiden, besser unauffällig bleiben; so entgeht man unnötigen Belästigungen.
Reisepartner auf Zeit suchen: Ein guter Weg, um die Anfangsangst einer Solotour ein wenig zu mindern: Erst mit einem Reisepartner starten und nach der gemeinsamen Zeit alleine weiterreisen. Dann kennt man sich schon etwas im Land aus und fühlt sich sicherer.